Etappe 35: Von Düsseldorf nach Bornheim (20. Juli 2024, 99 km, 218 Höhenmeter)

Ich fuhr am Flughafen und an der Düsseldorfer Messe vorbei Richtung Südwesten, wo ich auf den Rhein stieß. Bald verließ ich den Fluss kurzzeitig wieder, um durch das Zentrum von Düsseldorf zu radeln. Bald erreichte ich den Fluss ein zweites Mal und wechselte dann auf die linke Rheinseite, auf der ich dann bis nach Hause blieb. Trotz der Hitze kam ich gut voran. Nur in Köln wurde es typisch für Samstag sehr voll. Am Nachmittag erreichte ich dann Bornheim-Roisdorf.

Detaillierte Reisebeschreibung: 

Der Morgen begann – wie so oft auf Reisen – mit einer kleinen Herausforderung. Der Mann an der Rezeption hatte zwar einen freundlichen Blick, aber leider keine Ahnung, dass mein Fahrrad im Hotelkeller auf mich wartete. Vom Schlüssel ganz zu schweigen.

„Fahrrad? Im Keller?“, fragte er und runzelte die Stirn. „Davon steht hier… nichts.“

Ich lächelte. „Es steht zwar nichts, aber mein Fahrrad steht da unten. Und der Keller ist abgeschlossen.“

Nach ein paar hilflosen Blicken und einem wilden Reigen aus Nachfragen und Anrufen bei Kollegen zauberte er schließlich ein mächtiges Schlüsselbund hervor – eine Mischung aus Schatztruhe und Schicksalsrad.

„Ich hab da was – kann aber dauern. Das hier ist der Master-Schlüsselbund der Frühschicht. Wenn der nicht hilft, hilft nur beten.“

Gemeinsam stiegen wir in den Keller hinab. Und siehe da: Mit einem Klick öffnete sich die Tür zum Radparadies.

„Na also“, sagte er triumphierend. „Ich wusste doch, einer von den 37 war’s.“

Ich konnte mein Gespann ein letztes Mal beladen – mittlerweile fast im Halbschlaf automatisiert – und machte mich auf die finale Etappe.

Düsseldorf spielt Schabernack
Zunächst ging’s durch Düsseldorf-Stockum hinunter zum Rhein. Doch Düsseldorf wäre nicht Düsseldorf, wenn es mir nicht noch ein paar letzte Streiche spielen würde. Kaum hatte ich die Rheinpromenade erreicht, wurde klar: Hier war am Abend zuvor Party angesagt. Müll, Absperrungen, der Nachhall von Bassbeats – und plötzlich: Ende im Gelände. Keine Hinweise, keine Umleitung, einfach Schluss. Ich drehte um, holperte einen Kilometer zurück und schlug mich oberhalb der Promenade wieder gen Süden durch.

Wenig später das nächste Rätsel: Schilder warnten vor einer gesperrten Promenade und empfahlen einen Umweg. „Nee, Freunde“, dachte ich mir, „ihr habt mich nicht schon wieder.“ Ich tippte auf Überbleibsel der EM-Fanzone, ignorierte die Schilder – und lag goldrichtig: Kein Hindernis, alles frei. Abenteuer bestanden.

Rhein bei Düsseldorf, Rheinpark GolzheimRhein bei Düsseldorf, Rheinpark Golzheim

Rhein bei DüsseldorfRhein bei Düsseldorf

Rhein bei Düsseldorf mit Rheinkirmes 2024
Rhein bei Düsseldorf mit Rheinkirmes 2024

Über den Rhein und immer weiter südwärts
An der Rheinkniebrücke verabschiedete ich mich kurzzeitig vom Rhein, schlug einen Bogen zur Josef-Kardinal-Frings-Brücke und überquerte den Fluss. Von nun an ging es – mal näher, mal weiter entfernt – stets südwärts am Rhein entlang. Die Überschwemmungen, die mir auf der Hinfahrt noch den Weg versperrt hatten, waren Geschichte. Alles war trocken, alles war offen.

Rhein bei Neuss mit Blick auf Düsseldorf
Rhein bei Neuss mit Blick auf Düsseldorf

Heiß, heißer, Stürzelberg
Mit jeder Stunde wurde es heißer – der Wettergott hatte sich für meine letzte Etappe den Backofenmodus aufgehoben. In Stürzelberg legte ich einen Versorgungsstopp bei Lidl ein, lud Wasser und Brotzeit nach und verschwand danach in der Rheinaue Zons-Rheinfeld. Auch die Aue zwischen Worringen und Langel zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Die Fähre bei Langel war nach dem Hochwasser wieder im Einsatz und gut besucht – ich hingegen rollte weiter, vorbei an Leverkusen, hinein nach Köln-Niehl. Dort, kurz vorm Trubel, suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen, packte meine Einkäufe aus und genoss eine einfache, aber goldrichtige Mahlzeit: Würstel, Salat und vor allem – Wasser, literweise Wasser.

Rhein bei Dormagen


Rhein bei Dormagen

Köln – wenn selbst das Schieben zur Herausforderung wird
Dann kam er, der finale Showdown: Köln an einem sonnigen Samstag. Die Rheinpromenade war kein Weg, sondern ein Volksfest. Menschenmassen, Eisverkäufer, Straßenmusik. Radfahren? Vergiss es. Ich stieg ab und schob. Einen Kilometer lang. Danach versuchte ich mein Glück im Sattel – aber auch die Nebenstraßen waren verstopft. Also entschloss ich mich für einen eleganten Bogen: östlich an Rodenkirchen vorbei, die Schleife ausfahren. Es war zwar ein Umweg, aber dafür konnte ich endlich wieder rollen.

Rhein bei KölnRhein bei Köln

Zuhause – und dieses ganz besondere Gefühl danach
Und dann: die letzten Kilometer. Wesseling, Bornheim, Roisdorf – vertrautes Terrain. Ein kurzer Anstieg über den Wirtschaftsweg, und ich war… zu Hause. Dort stand meine Frau – lachend, erleichtert, umarmend. Ein Moment wie aus dem Film. Die Reise war zu Ende.

Und mit ihr stellte sich ein Gefühl ein, das ich kannte: Dieses leise Vakuum, das nach dem letzten Kilometer entsteht. 35 Tage im Sattel, sechs Wochen unterwegs – mit Packritualen, kleinen Routinen, täglichen Abenteuern. Und nun… nichts. Der Alltag ist da, die Reise vorbei. Die Freude über das Wiedersehen überstrahlte alles, aber ein Teil von mir fuhr innerlich noch ein paar Tage weiter – bis zur nächsten Tour. Denn die kommt bestimmt.

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